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nachtgestalten. hh, hbf.

der gang hat eine trennwand. der länge nach. die trennwand hat etliche runde öffnungen. man könnte darin schlafen, wen man nicht so elende lang wär.

alle 50 sekunden kommt die kehrmaschine wieder vorbei und hinterlässt eine neue, feuchte, zitronengeruch nachahmende spur auf dem steinboden, so dass er für wenige minuten nahezu sauber aussieht. immer eine bahn enger, dass ich irgendwann den mehr oder weniger bequemen lochplatz, der zur privaten raucherinsel umfunktioniert wurde, aufgeben muss.

in einer nische schlägt ein bärtiger alter mann samt frau seinen gammligen schlafsack auf, ein wenig ruhe zu finden, was ihnen nach 10 minuten durch die bahn-sicherheit verwehrt wird. der bärtige und die frau verschwinden mit hängenden schultern. was zurückbleibt, ist der strenge geruch von urin. selbst die zigarette hat es schwer, diesen zu übertönen.

hinter der dicken scheibe eines anatolischen grill-imbisses setzen die frau und der man in rot-weiß-gestreiften hemanden ungestört ihren streit fort, den sie vor einer halben stunde begonnen haben. wie taubstimme gesten fliegen ihre hände durch die luft, ohne einander zu berühren. bis zu dem moment, als er sich eine kippe ansteckt und sie mit großem schmollmund zu einem gekühltem getränk greift. 3 stunden nach ladenschluss.

von rechts hallt irgendein husten durch den gang. von links knallt es wenige augenblicke später ohrenbetäubend. von rechts gucken 3 eingefallene gesichter um die ecke der bahnhofsmission.

wieder sind 50 sekunden um. der mann auf der kehrmaschine rumpelt, einer parodierten ballerina gleich, erneut vorbei. der gestank bleibt, aber zumindest kann der dicke auf der maschine lächeln.

16.1.07 03:24
 


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